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Gedanken zu Palmsonntag

In einer der vielen Geschichten, die dem Münchener Original Karl Valentin zugeschrieben werden, sagen ihm seine Verwandten, dass es an der Zeit sei, dass er in sich gehe. Seine Antwort: „da war ich schon, da war auch nichts los.“

Wenn wir in dieser Zeiten in uns gehen, habe ich eher den Eindruck, dass in uns sehr viel los ist.
Wir finden Ängste in uns:
Werden wir von dem Virus verschont?
Wie können wir uns schützen, uns und die Menschen um uns?
Wie lange wird das alles dauern?
Welche Einschränkungen müssen wir akzeptieren?
Werde ich finanziell die Zeit überstehen?

Viele Fragen stellen sich auch im Zusammenhang mit unserem Glauben und der religiösen Praxis.

Zum ersten Mal in den über 50 Jahren, in denen ich Priester bin, werde ich nicht mit unserer Gemeinde zusammen die Kartage feiern können. Vieles was Ihnen lieb und gewohnt ist, bleibt zurzeit unmöglich. Das, was wir in diesen Tagen feiern, ist mehr als Erinnerung und frommes Spiel. Es geht wirklich um uns. Ein bedeutender evangelischer Theologe hat es so gesagt: „Beim Hören des Wortes Gottes, geht es um meine Sache.“

Es ist gut, dass wir die Möglichkeit haben, über die neuen Medien Gottesdienste erleben und mitfeiern zu können. Nutzen Sie diese Möglichkeiten. Wir finden dort Anregungen zum Nachdenken, sogar zum Beten. Darüber hinaus gibt uns die Distanz zum Gewohnten auch die Chance, Möglichkeiten neu schätzen zu lernen, wie wir Glauben leben und vertiefen können. Wir können neu und in anderen Formen beten zu können. Im Übrigen können wir in unserem Beten ohnehin immer auch die Menschen mit ihren Anliegen mit hinein nehmen. Wir können die hl. Schrift neu entdecken. Manchmal gibt da ein einziger Satz Hilfe und Anstöße. Unser Gotteslob bietet viele Möglichkeiten und Anregungen zum Beten und für ganz Mutige auch zum Singen!

Der Dienst am Nächsten – auch mit Abstand – ist ein Gottesdienst. Sogar eine besondere Form von Gottesdienst.

Eine Anregung noch zum Palmsonntag: Schauen Sie, z. B. auch im Internet, einmal in die Texte des Palmsonntags, besonders auch in die Leidensgeschichte nach dem Evangelisten Matthäus. Gehen Sie einmal in Gedanken für sich den Weg Jesu mit. Vielleicht finden Sie da Antworten, angesichts des Leidens und der Erfahrung der Bedrohtheit des Lebens. Sicher keine einfachen Antworten, aber doch Hinweise, wie man diese schwierige Zeit besser bestehen kann.

Ihnen allen Gottes Segen, bleiben Sie zuversichtlich! Wenn Sie in sich gehen, werden Sie auch viel Ermutigendes und Gutes entdecken.

Pastor
Josef Schrupp

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 12. April 2020 um 07:19 Uhr